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Montag, 17. Juni 2013

Oma

fehlt... Ich hätte nicht gedacht, dass sie so sehr fehlen würde - zumal ihr Tod ja quasi mehr als absehbar gewesen ist.
Leider bin ich ja längere Zeit nicht ans Bloggen gekommen, sonst hätte ich bereits vor einiger Zeit davon berichten können. Ich hatte bereits Anfang des Jahres, im Februar, das Gefühl, dass Oma gehen wird. Aber dem war da glücklicherweise noch nicht so. Und wenn ich heute Fotos von damals und ihren letzten Tagen vergleiche, sieht sie auf den "alten" Bildern mehr als gut aus.
Vor einer Woche war sie noch hier... Das Wochenende davor fing sie wieder mit Husten an bzw. war in den Bronchien völlig verschleimt. Problem war, dass sie aber überhaupt nicht mehr abhusten konnte. Wir hatten das Gefühl, dass sie (demenzbedingt) nun auch noch vergessen hatte, wie gehustet wird.
Nach und nach hatte sie ja so viele Dinge vergessen... Nicht nur Erinnerungen, sondern auch "lebenserforderliche" Tätigkeiten. Das fing mit dem Laufen an, was nach und nach immer weniger wurde. Anfangs ging es prima mit dem Rollator oder draußen auch mit Stock und Hilfe, dann war an ein Rausgehen gar nicht mehr zu denken, da sie die Treppen nicht mehr geschafft hat (Andreas hat sie dann noch 2mal runtergetragen, wo das Wetter so schön war, damit sie zumindest noch ein wenig in der Sonne sitzen konnte). Das Laufen drinnen war nun auch auf ein Minimum beschränkt, mit Rollator und Hilfe. Und ab Ende April/Anfang Mai ließ das Gehen quasi völlig nach; alleine aufgestanden und losgelaufen, was sie sonst so gerne gemacht hat, ging gar nicht mehr. Sie saß in ihrem Rollstuhl, aber nach Aufforderung meinerseits und mit meiner Hilfe ist sie dann immerhin zunächst noch zur Toilette gelaufen - wobei das eigentlich nur "per forma" war, denn sie trug bereits seit längerem Windelhosen, da die Inkontinenz eben auch deutlich zugenommen hatte.
Stehen klappte aber nach wie vor und so wurden mit Oma zumindest regelmäßige Standübungen durchgeführt, damit wenigstens ein wenig Muskelarbeit gegeben war und sie nicht völlig immobil würde.
Aber mit einem Mal ging dann auch das (Auf-)Stehen nicht mehr wirklich und der Allgemeinzustand verschlechterte sich zusehends. Oma war nun auch fast immer müde.
Ende Mai, zu Jans Geburtstag, waren ja noch mein Papa, meine Schwiegermama und mein Schwager hier bei uns und da ging es Oma eigentlich noch recht gut. Sie hat alle erkannt (uns im übrigen sowieso bis ganz zum Ende!) und auch das (eigenständige) Essen und Trinken funktionierte noch gut. Meine Schwiegermama hat ihr z.B. am Morgen ein Brötchen mit Marmelade geschmiert und kleingeschnitten, das hat Oma problemlos gegessen. Ans Trinken mußte sie eh schon immer erinnert werden, aber auch das ging eben noch.

(Foto Ostern 2013)

Tja, und dann war der Tag da, da ging weder eigenständiges Essen noch Trinken. Kauen und Schlucken waren ihr völlig fremdgeworden. Das war in etwa an dem Wochenende vor ihrem Tod... Und durch die verschleimten Bronchien stellte sich da dann auch die "Rasselatmung" ein. Montag war noch der Arzt bei ihr, aber er hat ihren Zustand gleich erkannt. Wann "es" nun soweit wäre, konnte er auch nicht sagen, aber absehbar war der Tod in jedem Fall. Er hat die Medikamente auf ein absolutes Minimum reduziert, wobei die Medikamentengabe eh fast unmöglich wurde, da sie eben nicht mehr wirklich schlucken konnte. Ich habe ihr Dienstag und Mittwoch zwar noch die Tabletten gegeben, muß aber sagen, dass ich das wohl nicht noch einmal so machen würde. So absehbar, wie ihr Übergang da schon gewesen ist, hätte ich sie nicht noch mit dem Tablettenschlucken "quälen" sollen...
Von Montag an war sie auch kaum ansprechbar; sie sass in ihrem Rollstuhl, mit geschlossenen Augen, ganz ruhig - sämtliche Vitalwerte waren übrigens diese Tage über immer in Ordnung, nur Mittwoch war der Ruhepuls auf 120, wobei der Blutdruck weiterhin im Normbereich lag - hat aber zumindest noch auf unser Anreden Zeichen des Verstehen gegeben. Reden war ebenfalls kaum mehr möglich, das aber auch bereits seit einigen Tagen mehr.
Mittwochabend, nachdem Andreas und ich sie bettfertig gemacht und in ihr Bett gelegt hatten, hat sie uns beiden aber verhältnismößig deutlich "Gute Nacht" gesagt. Das war in den Tagen davor gar nicht mehr gekommen. (und jetzt laufen mir wieder die Tränen...)
Donnerstagmorgen war Oma wieder nicht ansprechbar. Der Pflegedienst hat sie wie üblich grundpflegerisch versorgt und auch wieder in ihren Rollstuhl gesetzt (Oma lag tagsüber nur äußerst ungern und ich denke, sie wollte in jedem Fall auch die letzte Zeit sitzen, auch wenn ihr das bestimmt schwergefallen sein wird), aber so wirklich "da" war Oma nicht.
Ich habe dann das Frühstück vorbereitet, denn wie die letzten Monate üblich wurde wieder bei Oma gegessen (seitdem Oma nur noch mit Rollator mobil war, haben wir sämtliche Mahlzeiten zu ihr/in ihr Zimmer verlegt). Oma bekam zumindest etwas zu trinken, aber selbst das war an diesem Morgen anders als die Tage zuvor. Sie wollte gar nicht mehr.
Nach dem Frühstück habe ich den Tisch abgeräumt, Oma bequem zurückgesetzt und bin erstmal zu uns rüber. Das Röchel-Rasseln war an diesem Morgen wieder um Einiges stärker, dabei war es am Tag vorher fast weg und wir waren schon versucht, doch den Doc anzurufen und noch um ein Antibiotikum zu bitten... (Die Hoffnung stirbt zuletzt... *sfz*) Aber an diesem Morgen war der Gedanke daran schon wieder völlig abwegig.
Ich bin dann wieder zu Oma rüber, habe mich ein wenig zu ihr gesetzt und dann gefragt, ob sie noch etwas braucht, ob ich noch etwas für sie tun kann. Es kam überhaupt keine Reaktion ihrerseits. Allerdings fiel mir auf, dass sie ihre Augen, die die letzten Tage immer geschlossen waren, nun ein wenig geöffnet hatte. Aber der Blick, den ich da sehen konnte, blickte schon in eine weite, mir unbekannte Ferne...
Ich habe sie noch einmal lieb in den Arm genommen und gedrückt und ihr gesagt, dass ich das Gefühl habe, sie solle doch lieber auf die Reise zu Opa gehen...
Danach bin ich wieder raus, für ca. 1/2 Stunde. Dann war es Zeit, Jan von der Schule abzuholen. Änna wollte mit und so sind wir wieder zu Oma rüber, um ihr zu sagen, dass wir eben fahren würden. Schon beim Öffnen der Tür hörte ich kein Röcheln/Rasseln mehr und ohne Oma zu sehen, wußte ich, dass sie sich auf den Weg gemacht hat.
Ja, und so war es. Sie saß in ihrem Rollstuhl - tot. In dieser halben Stunde hat sie sich still vondannen gemacht. Ich vermute, sie wollte auch wirklich alleine sein.
Der Tod muß kurz zuvor gekommen sein; sie war noch völlig warm, nur der Gesichtsausdruck war bereits verändert. Völlig ruhig und entspannt.

Für Oma ist es gut so, aber mir tut der Verlust unendlich weh.
Ich bin bei Oma und Opa aufgewachsen und es ist eher so, als würde meine Mutter gestorben sein.
Ich verbinde soooooo viel mit ihr und ich bin unter Tränen froh und dankbar, dass sie in meiner Erinnerung immer da sein wird. Zumindest ein Trost, wenn auch erstmal nur ein ganz, ganz kleiner, denn die Erinnerung kann mir (noch) nicht die reale Oma ersetzen.

Jan blieb dann erstmal in der Schule und ich habe Andreas auf der Arbeit angerufen; er hat sich gleich in Bewegung gesetzt und war ca. 1/2 Stunde später bei uns.
Dass es nun doch so schnell gegangen ist, damit hätte er nicht gerechnet.

Wir haben Oma dann aus ihren Stuhl ins Bett umgelagert.

Der Arzt für den Totenschein kam dann so kurz nach 14 Uhr und die Bestatter (Bestattungen Wellers aus Bochum, da Oma ja neben Opa beigesetzt werden wird) hatten wir für ca. 19 Uhr bestellt, wobei sie dann aber noch ein wenig später gekommen sind, da wir hier ja nun nicht ganz so einfach zu finden sind...

Diese Abschiedszeit, die wir dann hier noch hatten, war, wie bereits bei meiner Mama, sehr schön. Auch wenn wir uns diesmal vorab auf den Tod vorbereiten konnten, hat dieser Abschied noch einen anderen Wert.
Wir haben dann, noch bevor der Arzt gekommen war, auch Jan aus der Schule geholt und so konnten wir uns alle zusammen bei Oma versammeln.
Wir haben eine Kerze entzündet, ihr Gänseblümchen hingestellt, Räucherwerk angemacht, das Fenster weit geöffnet und sie dann auch noch einmal für gut 15 Minuten ganz allein gelassen, damit ihre Seele den Weg ungestört finden kann.
Und ja, es war anders als bei Mama oder Opa. Bei Mama kann ich es nicht mehr so genau sagen, aber Opa war noch lange präsent. Auch er durfte ja Zuhause sterben, wurde dann aber von der Kriminalpolizei mitgenommen, bevor wir ihn sehen konnten (er hatte sich während des Sterbens seinen Harnröhrenkatheter rausgerissen und aufgrund der dadurch resultierenden Blutspuren hatte die (sehr junge) Notärztin "Todesursache unklar" angekreuzt... Leider hatte Oma ja nicht uns oder meinen Papa oder meine Schwiegermama benachrichtigt, sondern als erstes die Nachbarin, die nichts Eiligeres zu tun hatte, als den Notarzt zu rufen... ). Jedenfalls war Opas Körper eben nicht mehr da, als wir dort angekommen waren - aber seine Seele war voll zu spüren! Und gerade in der Nacht - wir sind damals bei Oma geblieben und haben dort geschlafen - ist sowohl Andreas als auch mir seine Präsens voll aufgefallen.
Das war bei Oma nun nicht so. Sie war auch zunächst noch hier, hat sich dann aber ziemlich schnell auf den Weg gemacht und am nächsten Tag war nichts mehr.
Mein Gefühl sagt mir, sie ist gut "drüben" angekommen.

Wie gesagt hatte ich ja eine Kerze für sie entzündet, die auf ihrem Nachtschränkchen stand. Der Bestatter hat sie gelöscht, da er sich sonst den Hintern Popo verbrannt hätte, und als ich die Kerze wieder anzünden wollte, nachdem die Bestatter mit Oma wegwaren, ging das nicht. Ich habe fünf oder sechs Streichhölzer versucht, aber sie ließen sich nicht entfachen und so habe ich es bleiben lassen. Erst am nächsten Morgen war ein erneutes Anzünden der Kerze möglich!

Nun ist Oma(s Körper) also wieder in Bochum.
Die Beerdigung ist am Donnerstag. Die Erfahrung hat gezeigt, dass dieser Tag noch einmal richtig schlimm werden wird *sfz*
Und die Zeit danach, denn da wird ihr Fehlen hier bestimmt erstmal noch so richtig deutlich werden...

(Foto vom 31.05.2013)



Kommentare:

Diandra hat gesagt…

Ich glaube, es war gut für deine Großmutter, dass sie bei euch zuhause gehen durfte.

Heidi hat gesagt…

Liebe Sianna

ich habe so viele Gemeinsamkeiten entdeckt bei deiner Oma und meiner Mama,gönnen wir ihnen den Frieden denn da wo sie jetzt sind, haben sie keine Schmerzen mehr.
Eine leise Umarmung
Heidi

Atreja hat gesagt…

Auch wenn es für Deine Oma das Beste so ist - ich kann nachvollziehen wie Du Dich fühlst.
Liebe Grüße
Atreja

Regina hat gesagt…

Liebe Sianna,

mein herzliches Beileid zum Gehen Deiner Oma.

Es mag vielleicht ein Trost sein, dass sie so in Ruhe mit Eurer Begleitung gehen durfte. Es tut immer so sehr weh, aber das weisst Du ja aus eigener Erfahrung.

Ich bewundere Dich sehr, wie Du Dein Leben mit 3 Kindern, Hof und vielen Tieren meisterst !

Alles Gute, Kraft und Energie sendet Dir
Regina